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Kunst ist Subversion

vendredi 4 juin 2010, par Jean-Claude BESSON-GIRARD

Von Jean-Claude Besson-Girard, Kunstmaler, Autor von Decrescendo cantabile, Petit manuel pour une décroissance harmonique (Parangon Verlag), Direktor von ENTROPIA (Revue d’étude théorique et politique de la décroissance.

Die Idee einer « Wachstumsrücknahme » stellt unseren Glauben radikal in Frage ; sie bedeutet ein nicht weniger radikales Umstoßen von dem, was wir unter « Kultur » verstehen.
Es existiert keine menschliche Natur, die von der Kultur, die die Menschheit in der Gesellschaft formt, unabhängig sei.
Die Fähigkeit zu symbolisieren ist das Herz einer jeden Kultur. Die kulturelle Vielfalt ist das Symbolische Pendant der biologischen Vielfalt ; aber um den Wert der Kultur zu verstehen, sollte ihr Sinn selbstverständlich nicht auf die Produktion und den Konsum von kulturellen Gütern reduziert werden, wie uns der Produktivismus konditioniert zu denken.
Die Kultur ist ein komplexes Ensemble, das Wissen, Glaube, Moral und Gewohnheiten einer Gesellschaft einschließt ; die Kunst ist ihr riskantester Teil. Es handelt sich also nicht darum, « die Kunst eine Subversion werden zu lassen » sondern darum, anzuerkennen, dass die Kunst Subversion ist. Sie ist kein dekorativer Zusatz für irgendeine « Lebensverschönerung ». Sie ist die Spur, das Ergebnis der vollkommenen Hingabe derjenigen, die damit dem Ruf der Kunst wie einer Notwendigkeit folgen, manchmal bis zur Lebensgefahr.

Was kann im Angesicht eines Systems, das den_die Künstler_in in uns ausschaltet, getan werden ? Ich kann hier nur ein paar Wege schildern und ein paar Haltungen vorschlagen, die eine Entkonditionierung bezüglich des gewohnheitsmäßigen Diskurses über Kunst und Kultur erlauben. So verstehe ich nicht gut, was eine « humanistische Kunst » außerhalb des Sinnes, den sie sich in Europa seit der Renaissance angeeignet hat, bedeuten könnte. Sie hat in anderen Kulturen und Epochen keine signifikante Wirkung. Sie erlaubt uns nicht, die Geburt der Kunst und ebenso wenig die chinesische Malerei, zu erfassen… Jedoch scheint es mir, dass das Eigene der Kunst aller Epochen und Kulturen ist, dass sie Zeuge einer Beziehung zu dem Heiligen ist und dass diese Beziehung das Vorrecht der menschlichen Spezies ist, welche Bewusstsein über ihre Endlichkeit erlangt und sich mit einer besonderen Intensität bei den Dichtern manifestiert. Es drängt, das von der Romantik geerbte Bild des Künstlers, das in außerhalb des oder sogar höher als das gemeinsame Schicksal stellte. Dieser missbräuchliche Anspruch hat nach und nach die Kluft und das Unverständnis zwischen Künstler_in und Gesellschaft geschaffen.

Wenn wir heute verloren sind, ist das grundsätzlich, weil wir der poetischen Dimension unserer Existenzen den Rücken zugekehrt haben. Diese Dimension ist diejenige unserer sinnlichen Beziehungen zum Ganzen des Realen, welches der Grundstoff aller menschlichen Kreation ist... Wir müssen die Kreuzung wiederfinden, an der wir den falschen Weg einschlugen. Dieser Weg führte uns, wie wir jetzt wissen, in die Sackgasse der Wahrnehmung und der Empfindsamkeit, die uns betäubt und wie von unserem essentiellen Teil amputiert lässt... Es ist zu behaupten, dass die Kunst und die Kultur weder auf Nutzen ausgerichtet sind, noch irgendeiner Macht unterworfen sind. Die Kunst und die Kultur erbringen keinen Nutzen, deshalb sind sie für die Würde des menschlichen Zustandes unabdingbar. Sie zeugen von ihrem in jeder Generation erneuerten Rätsel... In aller Bescheidenheit den Dialog mit den leblosen, bewunderungswürdigen Gegenständen als Träger der vergessenen Präsenz derer, die sie schufen wiederfinden... In amouröse Komplizenschaft mit den Naturelementen und alle Lebensformen treten. Kurzum, selbst vollkommen an der Welt sein, um mit den Anderen auf der Welt zu sein... Dann, nach und nach, ist es vielleicht möglich, sich die Einführung von gegenüber der Kunst und der Kultur gleichzeitig wahreren und tieferen Verhaltensweisen vorzustellen.
Dies sind einige der zu erforschenden Wege und aufzuwendenden Einstellungen, um den Sinn der Kunst als das Teilen des menschlichen Zustandes und als Notwendigkeit eines fröhlichen Aufstandes wiederzufinden.
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